H2O - mach's bunt

H2O - mach's bunt,

ein buntes zusammengefaltetes Plakat im Lehrerzimmer machte mich neugierig.

Schülerwettbewerb zum Jahr der Chemie - kann man mit 26 Zweitklässlern teilnehmen, ohne selbst Ahnung von Chemie zu haben?

 

Ich vergewisserte mich der Hilfe einiger Mütter, von denen wenigstens eine in dem Fach bewandert ist, der Zustimmung meines Schulleiters für einen Projekttag und wagte das Abenteuer.

 

Zunächst musste die Materialfrage geklärt werden. Grundschulen haben in den meisten Fällen keine Ausstattung, die es erlaubt, aufwendige Versuche durchzuführen. Die Bestandsaufnahme war niederschmetternd, 27 Reagenzgläser, die teilweise noch verschmutzt waren, 17 Pipetten und 5 Bechergläser.

 

Abhilfe schaffte der Förderverein, mit dessen Hilfe ich 100 Reagenzgläser, einen Karton Pipetten sowie Trichter und Filterpapiere bestellen durfte. Wir sammelten große und kleine Gläser und konnten endlich beginnen.

 

Ich stellte den Kindern das Wettbewerbsplakat vor.

Chemie, was ist das überhaupt? Was versteht man unter einem Experiment? Zur Klärung dieser Fragen lasen wir zunächst Texte aus verschiedenen Kinderlexika.

 

„Sauer oder seifig?" Wir lernten den Unterschied zwischen Säuren und Basen (Laugen) kennen und sortierten Haushaltsprodukte nach ihren Eigenschaften.

 

Wir beschäftigten uns mit der Frage „Rotkohl oder Blaukraut?", verglichen die Rezepte miteinander und stellten die Vermutung auf, dass es die Säure sein könnte, die den Kohl färbt.

 

Forscher beweisen ihre Vermutungen durch Experimente, hatten wir gelernt. Also wollten die Kinder experimentieren. Nachdem wir bestimmte Forscherregeln besprochen hatten, zerkleinerten die Kinder in 5 Gruppen Rotkohlblätter mit einer Schere, gaben Wasser dazu, gossen den Saft durch ein Sieb und stellten fest: Der Saft ist blau.

 

Jetzt gaben sie Essig dazu - der Saft verfärbte sich rot. Ihre Vermutung hatte sich bestätigt. Ich erklärte ihnen, dass der Rotkohlsaft ein Anzeiger (Indikator) für Säuren ist.

Am nächsten Tag erweiterten wir die Experimente, lernten die Begriffe Reagenzglas, Pipette und Filter, stellten sechs unterschiedliche Lösungen her und erfuhren, dass Rotkohlsaft auch ein Indikator für Basen ist und diese grün färbt.

 

Zum Abschluss unserer Vorbereitungen schauten wir uns aus der ARD-Mediathek den ersten Teil des Filmes „Wissen macht Ah - Die wunderbare Welt der Chemie" an, der unsere Erkenntnisse noch einmal zusammenfasste, wenn auch die Ausführungen über den PH-Wert mit Sicherheit nicht alle Kinder erreichten.

 

Am Projekttag hatten die Kinder sehr viele Materialien mitgebracht. Ich hatte ihnen verraten, dass vor allem blaue und rote Blüten und Gemüse geeignete Farbstoffe für unsere Experimente enthalten.

 

Wir starteten mit der Forscherfrage

„Mit welchem Farbstoff kann man die bunteste Farbpalette erzeugen?"

 

Nach der Wiederholung der Forscherregeln stellten die Gruppen zuerst zehn verschiedene saure und alkalische Lösungen her.

Danach wurde der Pflanzensaft gewonnen durch Zerschneiden, Zerquetschen, Mörsern, Kochen, Filtern usw.

 

Jede Gruppe hielt ihre Ergebnisse auf einem Protokollbogen und mit Hilfe von Fotos fest. Dabei geriet die Indikatorfrage völlig in Vergessenheit, weil die vielen unterschiedlichen Farben die Kinder zu sehr faszinierten. Deswegen wollten sie auch alle entstandenen Farben gleichzeitig auf einem Foto dokumentiert wissen. Sie waren sehr stolz auf ihre Ergebnisse.

 

An Hand der Protokollbögen haben wir später für jede der fünf Gruppen die Pflanze mit der besten Farbpalette herausgesucht (Petunie, Rose, Rhododendron, Holundersaft, Felsenbirne) und festgestellt, dass sich alle fünf als Indikatoren eignen.

 

Da wir uns für eine Pflanze entscheiden mussten, fiel die Wahl auf die Petunie.

 

Nach dem Aufräumen war die einhellige Meinung: „Chemie ist toll!" und Theresa meinte: „Es ist nicht schlimm, wenn wir keinen Preis gewinnen. Es hat Spaß gemacht. Das ist die Hauptsache. Aber vielleicht kriegen wir ja einen Trostpreis?"