Füller - Tinte - Schrift

Wenn die Kinder schreiben können, sehnen sie den Tag herbei, an dem sie mit Füller schreiben dürfen. Obwohl inzwischen der Tintenroller seinen Siegeszug angetreten hat, hat der Füllhalter nichts von seiner Faszination verloren.
 
Meine Zweitklässler haben lange darauf gewartet, aber jetzt ist der Startschuss zu unserer Füllerwerkstatt gefallen. Viele Fragen werden gesammelt. Wie lange gibt es den Füller schon? Wie haben die Leute früher geschrieben? Wie wird Tinte hergestellt? Wie kann man Tintenflecken entfernen?
 
Wir machen eine Ausstellung und staunen über Schiefertafel und Griffel, Poesiealben der Urgroßeltern mit Sütterlin- oder Deutscher Schrift und alte Schulhefte mit blauem oder schwarzem Umschlag.
 
Früher schrieben die Menschen mit Gänse- oder Rohrfedern. Unsere nette Eierfrau hat viele Gänse. Sie spendet für jedes Kind eine Feder. Jetzt können wir selbst ausprobieren, wie man damit schreiben kann.
 
Auch Rohrfedern werden gebastelt und getestet. Zeichen- Schreib- und Bandzugfedern muss man ebenfalls ständig in die Tinte tauchen. Vor Klecksen ist niemand sicher, selbst den Vorsichtigsten geschieht hin und wieder ein Missgeschick. Die Kinder können gut nachvollziehen, dass das Schreiben früher eine mühselige Angelegenheit war.
 
Aus Holunderbeeren stellen wir Tinte her. Mit ihr kann man genauso gut schreiben wie mit der gekauften Tinte. Sie ist nur nicht lange haltbar.
 
Jeder leert eine Tintenpatrone auf einem weißen Blatt aus. Ziemlich viel Tinte ist in solch einer kleinen Patrone. Wenn man das Blatt jetzt faltet, verläuft die Tinte zu bizarren Figuren, die man ausgestalten kann, wenn die Tinte getrocknet ist.
 
Das Gedicht vom Zauberer Korinthe ist so lustig, dass die Kinder es immer wieder sprechen wollen. So lernen sie es fast komplett auswendig. Viele wollen es mit ihrem neuen Füller abschreiben.
 
Zeichnen kann man mit dem Füller auch. Wechselt man beim Zeichnen Farbstift und Füller ständig ab, entstehen bunte Bilder. Dabei lernt man den Füller kennen und entlastet durch den Wechsel die Hand.
 
Spannend ist es, wenn man einen Brief bekommt, der mit Geheimtinte geschrieben wurde. Bügelt man darüber, erscheint wie von Geisterhand der Text. Immer wieder wird dieses Phänomen wiederholt.
 
Nach drei Wochen ist jedes Kind ein „Füller-Experte“.