Schulanfang

Die erste Woche ist geschafft! 25 I-Dötze sind mit Karacho in mein Leben gestürmt. Da sind die Vorlauten, die bereits am ersten Tag durch Zappeleien und Geräusche oder lautes Singen auf sich aufmerksam machen; die Selbstbewussten, die um ihre Stärken wissen; die Zurückhaltenden und Ängstlichen, die zunächst abwarten und aus der Reserve gelockt werden müssen. Sie alle haben sich aufgemacht, die spannende Welt des Lernens zu erobern. Ich werde mein Möglichstes tun, um ihnen den Weg zu zeigen, gehen müssen sie ihn allein.

Fast alle können ihr Namenschild identifizieren. Ich habe etwas Mühe, mir alle 25 Namen sofort zu merken. Dass es wichtig ist, Begriffe zu klären, fällt mir wieder auf als wir den Inhalt des Mäppchens anschauen. Filzstifte sind „Buntstifte mit Deckel“.

Das Aussuchen der verschiedenfarbigen Materialkörbe verläuft ohne Streitereien. Meine Bedenken, die ich diesbezüglich vorher hatte, waren völlig überflüssig, Etwas schwieriger ist es, das Pausenspielzeug vollzählig zurückzubringen. Nicht alle Kinder bringen Ausgeliehenes in den Spielkorb zurück. Der schöne, rote Schaumstoffball bleibt verschwunden. Ein Tischtennisball landet weit hinter der Baustellenabsperrung. Aber Erstklässler sind pfiffig. Tim* holt sich den Reifen, merkt, dass er damit nicht ganz an den Ball heranreichen wird. Er überlegt kurz, zieht die Reifenenden auseinander und holt mit dem so veränderten Objekt den Ball ohne Probleme zurück.

Gelernt wird natürlich auch schon. Wir zählen vorwärts und rückwärts, schneiden Zahlen aus und malen ein Bild zur Lieblingszahl. Die Zahl Eins schauen wir uns genauer an. Es gibt eine Sonne, einen Mond, einen Himmel, auch jeden von uns gibt es nur einmal. Das Schreiben der Ziffer muss geübt werden. Einige Kinder schreiben spiegelverkehrt oder malen statt der Spitze einen Bogen. Wir lernen das Buchstabenhaus kennen. Erste Orientierungsübungen werden gemacht. Der Hit ist der Buchstaben-Rap, bei dem alle begeistert mit den Fingern schnippen.

Anrührend sind kleine Begebenheiten am Rande, wenn z.B. Max* geduldig vor dem Umkleideraum auf seine Freundin Mona* wartet, die noch Schwierigkeiten mit dem Schleifenbinden hat, während alle anderen Kinder bereits auf dem Pausenhof toben. Oder wenn Sven* intensiv mit Malte* spricht und mir auf Nachfrage erklärt, Malte* könne die Aufgabe eben nicht allein.

Probleme gibt es auch. Kaum ein Kind kann warten. Viele rufen gleichzeitig nach der Lehrerin. Da ist Geduld gefragt, denn Selbstständigkeit muss erst gelernt werden. Kinder produzieren Lärm, über den sie sich gleichzeitig beschweren. Hier helfen Stilleübungen.

Die erste Woche ist aufregend für alle, für Kinder, Eltern, auch für mich. Die Erwartungen sind hoch. Die Kinder sollen sich in der Schule wohl fühlen, Freunde finden und mit Freude lernen. Gemeinsam machen wir uns auf den Weg. Ob die Erwartungen erfüllt werden?

* Namen geändert