Wehret den Anfängen - Gewalt in der Schule

Foto: pixelquelle
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Wehret den Anfängen! Das versuche ich Tag für Tag in meiner Klasse. Schon bei den Erstklässlern gibt es einige, für die hauen, boxen und treten ganz normal ist. Immer wieder muss ich Streithähne trennen, die wie die Berserker aufeinander losgehen, sich ineinander verkeilt auf dem Boden wälzen.

Meist sind es Jungen, die ihre geballte Kraft im Streit einsetzen, aber auch Mädchen gebärden sich manches Mal wie kleine Rumpelstilzchen. Die Herkunft spielt dabei keine Rolle. Es betrifft gleichermaßen Kinder aus allen Schichten, mit oder ohne Migrantenhintergrund.

Sieht man genauer hin, sind es oft Missverständnisse, die zum Streit führen.

Ein Junge erklärte auf die Frage, aus welchem Grund er sich auf einen anderen gestürzt hatte:
„Meine Mutter hat gesagt, ich soll mich wehren.“ Das hieß für das Kind, täglich jemand anderen zu verdreschen. Hier bedurfte es der Begriffsklärung.

Ein anderer Streitfall entstand, weil ein Kind seine Bitte mitspielen zu dürfen nicht äußerte, sondern den spielenden Kindern den Ball einfach stahl und damit wegrannte. Auch hier konnten durch ein klärendes Gespräch die Wogen geglättet werden.

Schubsen und Drängeln in engen Garderoben, harmloses Necken, versehentliches Anstoßen, alles Gründe, das Faustrecht anzuwenden.

Was mich betroffen macht, ist nicht die Tatsache, dass es Streit gibt. Das ist ganz normal. Normal ist auch, dass Kinder Streitkultur erst lernen müssen, dass sie lernen müssen zu streiten, ohne einander verbal oder physisch zu verletzen.

Entsetzt bin ich über die Art und Weise, wie der Streit ausgetragen wird, über die Eskalation der Gewalt, über die ungezügelte Rohheit einiger Kinder.

Woher kommt diese Gewalt?
Hat unsere Gesellschaft als Vorbild versagt?
Wie viele Gewaltszenen sieht ein Kind unkommentiert im Fernsehen?
Wie oft erlebt ein Kind prügelnde Jugendliche, und Erwachsene, die wegsehen?
Wie oft passiert Mobbing, ohne dass jemand eingreift?
Wie kann man gegensteuern?

Die Polizei, die ich diesbezüglich einschalten wollte, lehnte ab. Gewaltprävention begänne erst ab Klasse 5. Für mich absolut unverständlich.

Ständiges Schlichten, Gespräche mit Eltern und betroffenen Kindern, auf privater Ebene eingeschaltete Kinderpsychiater und Sozialpädagogen, teilweise sogar der Einsatz von Medikamenten sollen helfen, die Situation zu normalisieren.

Das gelingt auch, durch stetes Bemühen meistens nachhaltig.
Aber es ist ein langer Weg.